Über den RheumaPreis

RheumaPreis 2020

Der RheumaPreis 2020 geht an die Kerckhoff Klinik Bad Nauheim, MEDICLIN Kliniken Bad Wildungen und Übersetzungsbüro Iazzetta


Zwei Arbeitnehmerinnen und eine Selbstständige für ihren Umgang mit der Erkrankung am Arbeitsplatz geehrt

Trotz einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung fest im Berufsleben zu stehen, offen mit der Krankheit umzugehen und damit anderen Betroffenen Mut zu machen – für diese Leistung zeichnet die Initiative RheumaPreis jedes Jahr drei Menschen mit dem gleichnamigen Preis aus. In diesem Jahr geht der mit jeweils 3000 Euro verbundene RheumaPreis an zwei Arbeitnehmerinnen und ihre Arbeitgeber sowie an eine selbstständige Übersetzerin. Die Preise werden den Preisträgerinnen am 7. November übergeben – aufgrund der Corona-Pandemie findet die feierliche Preisverleihung jedoch erst im kommenden Jahr statt.

„Gemeinsam AufRheumen am Arbeitsplatz“ lautete das Motto, unter dem in diesem Jahr – bereits dem zwölften Jahr der Preisvergabe – dazu aufgerufen wurde, sich für den RheumaPreis zu bewerben. Zu einem funktionierenden Arbeitsverhältnis gehören immer mindestens zwei: Ein motivierter Arbeitnehmer und ein Arbeitgeber, der auf spezielle Bedürfnisse Rücksicht nimmt und dem daran gelegen ist, die Arbeitsfähigkeit seiner Mitarbeiter und ihre Begeisterung für die Arbeit zu erhalten. „Der RheumaPreis zeichnet daher immer Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam aus“, sagt Professor Dr. med. Matthias Schneider vom Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitinitiator des RheumaPreises. Das Preisgeld erhalten die Arbeitnehmenden. „Wir freuen uns, in diesem Jahr mit Mona Heyen, Julia Jacobi und Carolina Iazzetta Alves wieder drei beeindruckende Persönlichkeiten auszeichnen zu können, die bewiesen haben, dass man mit Vertrauen und Offenheit manche Hürde nehmen kann.“

Glück im Unglück hatte Mona Heyen, als sie vor fünf Jahren an rheumatoider Arthritis und Psoriasis-Arthritis erkrankte: Durch ihre Arbeit als Bilanzbuchhalterin an der Kerckhoff Klinik in Bad Nauheim, einem großen Rheumazentrum, war sie genau am richtigen Ort. So erhielt sie früh die Diagnose und konnte mit der Therapie beginnen, bevor die Gelenke stark geschädigt waren. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt die heute 44-Jährige. Dennoch ist die Erkrankung auch bei ihr mit Einschränkungen verbunden, und es kann vorkommen, dass sie während eines Krankheitsschubs zu Hause bleiben muss, wichtige Arzttermine in der Arbeitszeit liegen oder eine Reha-Maßnahme notwendig ist. „Dabei kann ich jederzeit auf die volle Unterstützung meiner Vorgesetzten und Kollegen zählen“, freut sich Heyen. Dass sie ihre verantwortungsvolle Position weiterhin in Vollzeit ausüben kann – dazu trägt auch eine angepasste Ausstattung ihres Arbeitsplatzes mit höhenverstellbarem Schreibtisch, einem speziellen Bürostuhl und einer flexiblen Stehhilfe bei. Ihre positiven Erfahrungen im Beruf wie im Freizeitbereich möchte Heyen gerne an andere weitergeben, deshalb ist sie seit 2016 auch als ehrenamtliche Trainerin bei in der Rheuma-Liga Hessen tätig.

Weniger reibungslos gestaltete sich die erste Zeit nach der Diagnose für Julia Jacobi. Als sie mit 29 Jahren die Diagnose rheumatoide Arthritis und Fibromyalgie erhielt, musste sie ihren Beruf als Rettungsassistentin schweren Herzens aufgeben – zu stark waren die körperlichen Belastungen für ihre schmerzenden Muskeln und Gelenke. Darüber hinaus musste die junge Frau auch im Freundes- und Bekanntenkreis mit Unwissen und Skepsis umgehen: „Viele konnten sich die Belastung durch die Krankheit nicht vorstellen und nicht verstehen, dass ich meine Arbeitszeit auf 30 Stunden reduzieren wollte“, sagt die heute 34-Jährige. Aus dieser Situation heraus wieder Mut zu fassen und eine neue Arbeitsstelle zu suchen, war eine große Herausforderung. Julia Jacobi meisterte sie durch absolute Offenheit im Umgang mit der Erkrankung – und beeindruckte damit ihren heutigen Arbeitgeber, die MEDICLIN Kliniken Bad Wildungen, wo sie als Kodierkraft arbeitet. Für die Klinik ist es selbstverständlich, sie mit einer ergonomischen Ausstattung und technischen Hilfsmitteln zu unterstützen. Für besonders wertvoll hält Jacobi aber auch die positive Einstellung und die Wertschätzung des Teams: „Vorgesetzte und Kollegen haben immer ein offenes Ohr für mich.“

Wie organisiert man sich vom Krankenbett aus ein neues Leben? Vor dieser gewaltigen Herausforderung stand Carolina Iazzetta Alves, als sie 2018 die Diagnose systemischer Lupus erythematodes erhielt – eine seltene entzündlich-rheumatische Erkrankung, die bei ihr mit Haarausfall, übermäßiger Licht- und Geräuschempfindlichkeit, starken Gelenkschmerzen und einer Entzündung der Nieren einherging. Mit Ende zwanzig musste die gebürtige Brasilianerin ihren Wunsch, neben ihrer Übersetzertätigkeit auch Yoga zu unterrichten, aufgeben, zudem trennte sich noch während der stationären Behandlung ihr Partner von ihr und sie stand ohne Wohnung da. Mit ihrem Laptop und dem Mut der Verzweiflung suchte Iazzetta von der Klinik aus eine neue Wohnung, fokussierte sich ganz auf ihre Übersetzungen und baute damit ihre Selbstständigkeit in diesem Berufsfeld weiter aus. Jeden Tag arbeitete sie etwas mehr und stellte fest, dass die Arbeit für den Heilungsprozess genauso wichtig war wie die medizinische Behandlung. „Das Arbeiten hat mir Kraft gegeben und das Gefühl, wieder etwas Kontrolle über mein Leben zu haben“, sagt sie. Die Selbstständigkeit gibt ihr die Möglichkeit, flexibel mit Krankheitsschüben umzugehen – dennoch klärt sie ihre Kunden bereits auf ihrer Website über ihre Erkrankung und mögliche Verzögerungen auf. „Das nimmt den Druck und ich erlebe viel Verständnis und Unterstützung.“ Nicht zuletzt kann sie sich trotz ihrer Selbstständigkeit auf ein gutes Team verlassen: Wenn ein schwerer Krankheitsschub auftritt oder ein Auftrag besonders dringend ist, helfen Kollegen aus der Übersetzerbranche gerne aus.