Preisverleihung 2022

Der RheumaPreis 2022 geht an Anna-Lena Beckmann und ihren Arbeitgeber, die Kinder und Jugendhilfeeinrichtung Die Wattenbeker in Neuenhagen, an Annika Reindl und die M-net Telekommunikations GmbH, München, sowie an Muna Strobl und die Reha-Vorsorge-Klinik Haus Daheim, Bad Harzburg. Mit ihrem vorbildhaften Engagement, ihrer Offenheit und gegenseitigen Wertschätzung hätten diese Unternehmen gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden gezeigt, dass Rheuma und Beruf miteinander vereinbar sind, so die Jury der Initiative RheumaPreis in ihrer Begründung. Der Preis wurde im Rahmen einer feierlichen Abendveranstaltung in Berlin verliehen.

„Rheuma Arbeit geben“

Jede beziehungsweise jeder dritte Deutsche hat Schmerzen am Bewegungsapparat, etwa 1,5 Millionen leben mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Noch vor wenigen Jahren mussten Betroffene ihren Arbeitsplatz aufgeben: So schieden beispielsweise zwölf Prozent der Erwerbstätigen mit rheumatoider Arthritis (RA) in den ersten fünf Jahren ihrer Erkrankung aus dem Berufsleben aus, weitere 10 Prozent in den darauffolgenden fünf Jahren (1). „Diese Zeiten und Zahlen haben sich dank der verbesserten Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie positiv verändert“, erläutert Professor Dr. med. Matthias Schneider, Mitinitiator des RheumaPreises vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Dass ein aktives Berufsleben auch für Menschen mit Rheuma Normalität ist, dazu trägt die Initiative RheumaPreis bei – nun bereits im vierzehnten Jahr. Der diesjährige RheumaPreis stand unter dem Motto „Rheuma Arbeit geben“. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Berufstätige mit Rheuma und ihre Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gemeinsam eine kreative Lösung für berufliche Teilhabe finden. „Wir gratulieren Anna-Lena Beckmann, Annika Reindl und Muna Strobl und ihren Unternehmen ganz herzlich zum RheumaPreis 2022. Sie alle zeigen, wie berufliche Integration gemeinsam gelingen kann und haben Vorbildcharakter für den Umgang mit chronischen Krankheiten im Berufsalltag“, so Schneider. „Sie alle geben Rheuma Arbeit.“

Berufliche Teilhabe – Chance für alle

Wenn es gelingt, trotz der Diagnose Rheuma im Beruf zu verbleiben, bekommen und behalten Unternehmen wertvolle und erfahrene Mitarbeitende. Jedoch wünschen und benötigen Betroffene teilweise mehr Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und manchmal auch mehr Unterstützung. Das alles muss Einzug finden in die Unternehmenskultur, die Diversität lebt und so neue Perspektiven in den Alltag aller Mitarbeitenden einbringt. Donata Apelt-Ihling, Schirmherrin des RheumaPreises, Diplom-Betriebswirtin und Unternehmerin, betonte im Rahmen der Preisverleihung: „Der Einsatz eines Arbeitgebers für seine Mitarbeitenden sendet ein starkes Signal nach außen: Wir engagieren uns, handeln sozialverträglich und fördern Integration. All dies sind Werte und Ziele, die der Gesellschaft und unseren Unternehmen zuträglich sind und positiv auch auf die Arbeitgeber zurückstrahlen! So gratuliere auch ich allen Preisträgerinnen 2022 und ihren Unternehmen und wünsche uns allen, dass ihrem Beispiel viele weitere nachfolgen.“

Mutmacher: die Preisträgerinnen und ausgezeichneten Unternehmen 2022

RheumaPreis-Trägerin Anna-Lena Beckmann ist angehende Sozialpädagogin. Sie betreut bei den Kleinen Siedlern der Wattenbeker, einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Brandenburg, sieben Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren. Beckmann leidet unter rheumatoider Arthritis, unter anderem mit wiederkehrenden Fieberschüben, heftigen Gelenkschmerzen in Fingern, Händen und Armen. „Wir wussten von Anfang an von ihrer Diagnose und dem Krankheitsbild“, berichtet Grit Niemann, Regionalleiterin der BAR/MOL-Einrichtung. „Für uns sind Einschränkungen aber keine Probleme, sondern Herausforderungen, um für alle Beteiligten beste Voraussetzungen zu schaffen“, ergänzt Vorgesetzte und Hausleiterin Peggy Israel. So schlugen die beiden Chefinnen der angehenden Sozialpädagogin nach einem sehr schweren Schub vor, es vorerst mit Tagesschichten, statt der anstrengenden 24-Stunden-Dienste zu versuchen. Darüber hinaus stellten sie Beckmann eine ergonomische Büroausstattung zur Verfügung. „Ich bin unglaublich dankbar, dass wir gemeinsam einen Weg gefunden haben, damit ich an meiner geliebten Arbeitsstelle bleiben kann“, so Beckmann.

„Ich wollte schon immer Verantwortung übernehmen. Heute bin ich Teamleiterin der M-net Telekommunikations GmbH in München, und sehr dankbar, dass meine Vorgesetzten ein so großes Vertrauen in mich setzen. Ich hoffe, dass ich auch andere ermutigen kann, mit ihrer rheumatischen Erkrankung ein erfülltes Berufsleben zu führen“, sagt RheumaPreis-Trägerin Annika Reindl. Die Fachinformatikerin litt über Jahre ihres Berufslebens hinweg unter sehr starken Rückenschmerzen, bevor sie die Diagnose Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) erhielt. Diese teilte sie ihrem Arbeitgeber offen mit. Für die Geschäftsführung des Unternehmens ist es selbstverständlich, die Informatikerin im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen: „Auf die besonderen Bedürfnisse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen ist ein wesentlicher Teil unserer Unternehmenskultur, die von Flexibilität und Offenheit geprägt ist“, so Nelson Killius, Sprecher der Geschäftsführung von M-net. Dr. Herbert Plansky, Abteilungsleiter IT Prozess-, Qualitäts- & Anforderungsmanagement, betont: „Mit einem vertrauensvollen Umgang können wir uns auf Augenhöhe begegnen. Dieses Vertrauen schafft die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens, weil sich jede und jeder mit allen Fähigkeiten einbringen kann und alle Aspekte gehört werden. So kommen wir zu den besten Lösungen.“

„Der RheumaPreis ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg des außergewöhnlichen Engagements unserer Mitarbeiterin Muna Strobl für bessere Lebensbedingungen und eine gesunde Lebensführung für sich und andere Betroffene“, sagt Antje Krause, Geschäftsführerin der Vorsorge-Reha-Klinik Haus Daheim in Bad Harzburg. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung.“ Strobl, Heilpraktikerin für Psychotherapie, arbeitet dort im therapeutischen Team der Mutter-Kind-Kurklinik. Die Geschäftsführerin und die Kolleginnen brachten ihr von Anfang an großes Verständnis entgegen und akzeptieren, dass sie aufgrund ihrer Beeinträchtigungen weniger Überstunden machen kann. Gleichzeitig erlebt sie eine große Wertschätzung im Team: „Es sind nicht nur die äußeren Rahmenbedingungen, die mir meine Berufstätigkeit ermöglichen, sondern vor allem auch die persönliche Haltung der Geschäftsleitung. Frau Krause hat ein Team um sich versammelt, das Menschen grundsätzlich wertschätzend und offen begegnet, Stärken und Schwächen anerkennt und die Vorzüge jedes einzelnen Menschen in den Vordergrund stellt“, so Strobl. Um andere Betroffene zu unterstützen, hatte sie zunächst erfolgreich einen Blog aufgebaut und nun ein Buch mit dem Titel „Aufrecht mit Bechterew“ geschrieben. Es erscheint diesen Monat.