Preisträger

Im Folgenden stellen wir Ihnen die aktuellen sowie die Preisträger der vergangenen Jahre vor. Klicken Sie auf die Jahreszahl oder die Person, um mehr über unsere Preisträger zu erfahren.

Bettina Wittmann

Bettina Wittmann und Dossmann

„Mit 20 Jahren wollte ich so richtig durchstarten. Ausbildung und Karriere, Familie und Freunde, Freizeit und Sport – die typischen Themen eines jungen Erwachsenen prägten mein Leben.“

Doch dann kam völlig unerwartet die Diagnose Rheuma. 

Bettina Wittmann startete dennoch durch – und das auf beeindruckende Art und Weise. Gemäß ihres persönlichen Mottos „Ich beherrsche die Krankheit, nicht die Krankheit mich“, gestaltet sich die Baden-Württembergerin ein ausgesprochen aktives Leben, treibt Sport und macht eine beachtliche berufliche Karriere. Für Ihren beispielhaften Weg, mit ihrer Erkrankung im Beruf umzugehen, erhält Bettina Wittmann den RheumaPreis 2015.

Vor 17 Jahren diagnostizierten Ärzte bei Bettina Wittmann die chronische Erkrankung rheumatoide Arthritis – da war sie gerade zwanzig Jahre alt. Weil sich die Auszubildende nicht vorstellen kann, was dieser Befund für sie bedeutet, kauft sie sich ein Buch zum Thema Rheuma und hadert sofort mit dem Cover: „Auf dem Titel waren ältere Menschen abgebildet. Das bin ich nicht.“, waren die ersten Gedanken der angehenden Industriekauffrau. Doch die Umstände spornen Bettina Wittmann an und motivieren sie, stets ihr Bestes zu geben. Heute sagt sie voller Stolz:

„Das, was ich im Leben bislang erreicht habe, ist durch die Erkrankung für mich noch viel mehr wert. Vieles wäre selbstverständlich, aber dank Rheuma erlebe ich Alltägliches oft als kleines Wunder.“

Bettina Wittmann arbeitete mit großer Disziplin an ihren „kleinen Wundern“ und sah sich stets als ganz normalen jungen Menschen, dessen Zukunft erst begonnen hat. Ohne Mitleid, ohne Extras. Sie geht offen mit ihrer Erkrankung um und klärt Familie, Freunde und Kollegen über die Diagnose auf. Sie macht einen sehr guten Abschluss – und verkürzt aufgrund ihrer Leistungen ihre Lehrzeit auf zwei Jahre. Sie wird nach der Ausbildung übernommen und arbeitet sich in neue Themenfelder ein, parallel absolviert sie ein berufsbegleitendes Studium zur Betriebswirtin (VWA). Heute ist Bettina Wittmann seit 17 Jahren ein fester Bestandteil der Dossmann GmbH und als Mitglied im Wirtschaftsausschuss, Betriebsrätin und Schwerbehindertenvertretung auch für die Belange ihrer Kollegen eine wichtige und vertrauenswürdige Anlaufstelle. Geschäftsführer Jörg Doßmann schätzt vor allem ihren Einsatz und ihre Willensstärke: „Frau Wittmann engagiert sich über die Maßen für unser Unternehmen und ist eine große Bereicherung für uns. Ich bin wirklich froh, dass wir nun schon seit 1998 einen gemeinsamen Weg bei der Gestaltung der Firma gehen.“

Von ihrem Arbeitgeber erhält die junge Frau große Unterstützung, um arbeitsfähig zu bleiben. „Vor allem für ein mittelständiges Unternehmen ist es nicht immer leicht, Sonderwünsche zu erfüllen“ – sagt die Preisträgerin und fügt an, dass jeder Wunsch, den sie bislang vorgebracht hat, für sie – aber auch für alle anderen Angestellten der Dossmann GmbH – erfüllt wurde. So verfügen heute zum Beispiel alle Beschäftigten des Unternehmens über Arbeitsplätze, die den neuesten ergonomischen Standards entsprechen. Auch flexible Arbeitszeiten kommen allen Mitarbeitern zugute, Bettina Wittmann helfen sie jedoch besonders, denn sie ist damit in der Lage, sich ihre Arbeit frei einzuteilen und notwendige Arztbesuche bestmöglich in den Arbeitsalltag zu integrieren. Aber auch kleinere Anpassungen haben mitunter große Wirkung für die Rheumatikerin: eine teilbare Computer-Tastatur, ein neuer, leicht bedienbarer Wasserhahn im Waschraum, eine zweite Stechuhr, um lange Wege zu verkürzen oder ein neues Büro im Erdgeschoss erleichtern den Alltag von Bettina Wittmann. „All dieses Engagement und vor allem der Umstand, dass wir inzwischen drei Generationen an Rheumatikern in unserem Unternehmen beschäftigen, ist ein großes Lob für meinen Arbeitgeber wert“.

Frau Wittmann nimmt ihre Rolle als Vorbild bereitwillig an und möchte anderen Betroffenen Mut machen: „Ich biete der Krankheit nur wenig Raum in meinem Leben. Ich setze mir beruflich und privat immer neue Ziele und bin stolz, wenn ich sie erreicht habe. Ob es der Traum vom eigenen Haus mit Garten oder das wöchentliche Training einer Kickbox-Aerobic-Gruppe ist – man muss es einfach machen. Dann klappt das schon.“ Die Gewinnerin des RheumaPreises 2015 macht es vor und startet auch mit Rheuma in ihrem Leben durch.

Lisa Nysen

Lisa Nysen und Meyer logistics

Bereits im Alter von 5 Jahren erhielt die RheumaPreis-Trägerin 2015 Lisa Nysen die Diagnose „Rheumatoide Arthritis“, eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Für das Kind war es damals ein Schock und nicht einfach zu verstehen, warum es nicht mit anderen Kindern ausgelassen rennen oder spielen konnte. Heute sagt die 23-Jährige jedoch selbstbewusst: „Die Krankheit hat mich nur stärker gemacht.“

In ihrem aktuellen Beruf als Sachbearbeiterin in der Personalabteilung einer Spedition ist sie glücklich und hat den Arbeitgeber mit ihrem Kampfgeist und starken Arbeitswillen überzeugt. Fest im Arbeitsleben zu stehen, wie jeder andere gesunde Mensch auch, bedeutet Lisa Nysen sehr viel. In ihrem Arbeitsalltag wird sie sowohl von den Kollegen als auch von ihren Vorgesetzten geschätzt und alle haben ein offenes Ohr für die Speditionskauffrau.

„Mein Arbeitgeber und ich haben bei Problemen immer gemeinsam eine Lösung gefunden, mit der wir alle gut zurechtkommen“

erklärt Lisa Nysen. Dieses beidseitige Engagement wurde von der RheumaPreis-Jury anerkannt und mit dem Preis ausgezeichnet.

Dafür, dass sich beruflich alles so gut entwickelt hat, hat Lisa Nysen einiges getan: Gleich am ersten Tag ihrer Ausbildung erzählte sie dem Personalverantwortlichen von ihrer entzündlich-rheumatischen Krankheit und den damit verbundenen körperlichen Einschränkungen. Zunächst wurde die junge Frau mit skeptischen Fragen konfrontiert „So jung und schon Rheuma?“ Aber heute bereut sie nichts und ist froh, dass sie von Anfang an offen mit ihrer Erkrankung umgegangen ist. Die Ausbildung zur Speditionskauffrau hat sie erfolgreich abgeschlossen und bekam im Anschluss daran eine Festanstellung in der Personalabteilung des Unternehmens. Dort ist sie unter anderem für die Spesenabrechnung und Überwachung bzw. Organisation von Schulungen verantwortlich. Sie hat gelernt pragmatisch zu denken und selbstsicher mit der Diagnose Rheuma umzugehen. Auch seitens ihres Arbeitgebers erfuhr Lisa Nysen große Unterstützung und bekam ein eigens für sie eingerichtetes Büro mit für sie zugeschnittenen Hilfsmitteln zur Verfügung gestellt. Darunter finden sich z. B. zwei neue Bildschirme mit Schwenkarmen oder eine Kuvertiermaschine für das Eintüten von Briefen. Lisa Nysen trägt auch mit eigenen Ideen zu einer guten Büroorganisation bei, wovon wiederum die Kollegen profitieren: „Bedingt durch ihre rheumatischen Beschwerden ist Frau Nysen immer motiviert, Arbeitsabläufe zu vereinfachen oder zu optimieren“, berichtet ihre Kollegin und Vorgesetzte Frau Weege. „Das ist auch ein Gewinn für die gesamte Abteilung.“

Getreu ihrem Motto „Nicht unterkriegen lassen! Aufstehen und weitermachen!“ meistert Lisa Nysen ihr Leben mit der schweren Erkrankung. Erst kürzlich hat sie erfolgreich eine Weiterbildung zur Ausbilderin absolviert und wird in Zukunft Aufgaben bei der Ausbildung von Nachwuchskräften übernehmen. Somit dient sie als gutes Vorbild für den Nachwuchs der Firma und für andere Arbeitnehmer mit rheumatischen Erkrankungen. Diese ermutigt sie, immer ehrlich über die Erkrankung und eventuelle Einschränkungen zu sprechen. „Nicht jeder kennt sich mit der Krankheit Rheuma aus und durch einen offenen Umgang wird es für die Kollegen einfacher, Verständnis zu entwickeln und zu unterstützen“, gibt sie anderen Betroffenen mit auf den Weg.

Lisa Nysen findet, dass der RheumaPreis eine tolle Möglichkeit bietet, Arbeitgebern Mut zu machen sich mit dem Thema „Rheuma am Arbeitsplatz“ auseinanderzusetzen. Das Ziel sollte sein, dass mehr Rheumakranke eingestellt werden und dass sich eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber durchsetzt. Für die Zukunft wünscht sich die zielstrebige Niederrheinländerin, „dass alles so gut weiterläuft wie bisher“. Mit dem Preisgeld möchte sie sich gerne einen kleinen Wunsch erfüllen und gemeinsam mit ihrem Freund auf die griechische Insel Karpathos reisen, wo es ihr bei einem früheren Urlaub gut gefallen hat.

Benedikt Ziegler

Benedikt Ziegler

„Solange ich meinen Kopf einsetzen kann, bin ich guter Dinge“

blickt Benedikt Ziegler, Träger des RheumaPreises 2015, positiv in die Zukunft. Die natürliche Fröhlichkeit und der Optimismus des heute 25-Jährigen bekamen im Jahr 2000 einen Dämpfer: Schmerzen und Schwellungen an verschiedenen Gelenken ziehen einen schier endlosen Marathon durch mehrere Kliniken nach sich, bis letztlich die Diagnose steht: juvenile rheumatoide Arthritis – eine entzündlich-rheumatische Erkrankung im Kin-desalter. Von da ist seine Kinder- und Jugendzeit geprägt von monatelangen Klinikaufenthalten, meh-reren Operationen und immer wieder neuen Medikationen und Therapien. „Da war plötzlich eine Un-gewissheit, die mich bedrückt hat. Wohin entwickelt sich das alles? Aber es gab immer Menschen an meiner Seite, allen voran meine Mutter, die mich unterstützt haben, die sich von der Krankheit nicht beeindrucken ließen“, beschreibt der Dortmunder rückblickend diese Zeit.

Nach dem Abitur stellt sich für Benedikt Ziegler die Frage, wohin die Reise beruflich gehen soll. Ob-wohl die Arbeitsagentur zu einem ruhigen Bürojob rät, entschließt sich Ziegler für seine Leidenschaft: die Fotografie. Schon früh entstehen sensible fotografische Arbeiten, die nicht zuletzt sein Einfüh-lungsvermögen widerspiegeln. Krankenhausaufenthalte nutzt er, um kreativen Input zu bekommen, seine Eindrücke und Erfahrungen hält er mit der Kamera fest. Er beginnt ein Praktikum bei einem Fotografen und gestaltet seine Bewerbungsmappe für die Aufnahmeprüfung eines Fotodesign-Studiums an der Fachhochschule Dortmund.

Mittlerweile studiert Benedikt Ziegler im achten Semester und wird voraussichtlich im Sommersemes-ter 2016 seinen Bachelor abschließen. Aufgrund von Schmerzen und körperlichen Einschränkungen, wie sie die starke Arthrose an Schulter-, Fuß- und Handgelenken mit sich bringt, ist es nicht immer einfach, den herausfordernden Studienalltag zu meistern. Dennoch schafft es Benedikt Ziegler seit drei Jahren, nebenher als freischaffender Fotograf zu arbeiten und einen – wie er mit einem Augen-zwinkern meint – „relativ normalen Alltag“ zu meistern, mit einem Spagat zwischen seiner Berufstätig-keit auf der einen und seinem Studium auf der anderen Seite.

Heute nach seiner Einschätzung befragt, was ihm seine Arbeit bedeutet, schießt es regelrecht aus ihm heraus: „Viel! Ich brenne für die Fotografie!“ Auch wenn ihm durchaus bewusst ist, dass es Gren-zen gibt, die ihm seine Krankheit vorschreibt. Zum Beispiel wenn ein Shooting zu lange gedauert und er sich kräftemäßig übernommen hat.

„Ich werde mit Sicherheit kein Auftragsfotograf für große Mode-Strecken in der Vogue sein. Aber will ich das überhaupt? Vielleicht entwickle ich mich aufgrund meiner eigenen Geschichte eher zu einer Art ‚Rheuma-Fotograf’ beispielsweise für Aktion Mensch.“

Für seine berufliche Zukunft wünscht sich Benedikt Ziegler, „so lange wie möglich die Welt zu berei-sen und mit der Kamera Geschichten von Menschen zu erzählen.“ Für ihn ist daher auch klar, dass sein Preisgeld zu 100 Prozent in sein nächstes großes Fotoprojekt fließt: seine Bachelor-Arbeit zum Thema ‚Kinder- und Jugendrheuma in Deutschland’. „Mit meiner Fotoreportage möchte ich den Blick der Öffentlichkeit darauf lenken. Leider ist zu wenig bekannt, was die Krankheit Rheuma bedeutet und dass sie jeden, unabhängig vom Alter betreffen kann. Und gleichzeitig möchte ich mit meinem Projekt zeigen, dass trotz Krankheit ein glückliches Leben, Erfolg und Karriere möglich sind.“ Diese Arbeit ist ein weiteres Steinchen im Lebensmosaik des Benedikt Ziegler, in dem Krankheit und Beruf sich nicht ausschließen. Sein Mut, trotz seiner Einschränkungen einen körperlich fordernden Job zu wählen und seine pragmatische Art, mit der Erkrankung im Arbeitsalltag umzugehen, überzeugten auch die RheumaPreis-Jury und führten zur Auszeichnung von Benedikt Ziegler.

Und was rät der diesjährige Preisträger anderen Betroffenen? „Wichtig ist, eine gute Balance zu fin-den, trotz Hürden und Einschränkungen den eigenen Traum zu verwirklichen. Es gibt immer Men-schen, die einen unterstützen“, so Benedikt Ziegler abschließend.